
Gespannt
lauschte Rosalinda dem Wetterbericht. Es interessierte
sie weniger, ob es am nächsten Tag ein neuer Temperaturrekord
des Jahres zu erwarten sei, sie interessierte sich für
etwas ganz anders. Sie saß am Fenster und sah
nach draußen. Der Himmel war wolkenlos. Und doch
hegte Rosalinda die leise Hoffnung auf Veränderung.
Es mußte sich einfach ändern. Gegen Mittag
entdeckte sie dann eine einzelne Wolke. Ihr Herz begann
schneller zu schlagen. Sie sah überall am Himmel
nach, ob sich noch weitere Wolken zeigten. Und da kam
auch die Bestätigung des Lokalsenders, daß
gegen Abend mit Regen zu rechnen sei. Schnell wie der
Blitz lief Rosalinda in ihr Schlafzimmer.
Sie riß sich die Kleider vom Leib. Sie spürte
die wachsende Erregung in sich. In ihrem Schoß
begann es zu kribbeln, heftiger als wenn sie mit Giancarlo,
ihrem Freund, zusammen war. Es wurde so stark, daß
sie kaum die Finger von sich lassen konnte. Doch das
mußte sie. Sie kannte sich und ihr kleines Faible.
Sie mußte sich gedulden. Als sie in den Spiegel
sah, fiel ihr wieder ein, wie es begonnen hatte.
Damals am Baggersee. Sie feierten ihren neunzehnten
Geburtstag. Es war ein ebenso heißer Tag wie heute
und dann, Giancarlo und sie liebten sich gerade an einer
einsamen Stelle, begann es zu regnen. Sie wollten nicht
aufhören und so ließen sie die Regentropfen
auf ihre Körper prasseln. Dabei entdeckte sie ihre
heimliche Leidenschaft, die sie bis jetzt immer im Sommer
ausübte. Im Winter war es dazu viel zu kalt. Die
Luft mußte schon vor Hitze flirren. Rosalinda
holte die Gummistiefel, ihren Regenmantel und diesen
albernen Regenhut aus dem Schrank.
Sie zog es an, wobei die Kälte des Gummis sie erschauern
ließ. Aber das gehörte dazu. Das glatte,
kühle Material; die Nacktheit zu spüren. Sie
schloß den Regenmantel und ging wieder ins Wohnzimmer,
wo sie sich wieder ans Fenster setzte und weiter den
Himmel beobachtete. In solchen Momenten kam sie sich
regelrecht pervers vor. Wer außer ihr, würde
sonst wohl nackt Regenklamotten anziehen. Von denen
da unten in der Straße sicher keiner.
Wenn die wüßten, was sie vorhatte, würden
diese über sie herziehen. Solche Gefühle zu
hegen, schickte sich nicht. Aber was sollte sie machen.
Nur der Gedanke daran erfüllte sie mit höchster
Erregung. Und was ist falsch daran, Gefühle zu
haben. Und verboten war es auch nicht, daß wußte
sie. Es war eben nur ein wenig ungewöhnlich.